Weil drei schwarze Fußballer die Elfmeter für England verschossen haben, trendet nun auf Twitter das N-Wort. Nachdem Twitter den Hashtag in „SayNoToRacism“ umgewandelt und in die Trends gelegt hat, rufen Menschen nun dazu auf, „SayYesToRacism“ in die Trends zu bringen.

Auf Instagram kursiert der Aufruf schwarze Menschen zu bespucken, zu schlagen, zu vergewaltigen & zu lynchen. Jede Maßnahme ist mit Punkten versehen. Je gewalttätiger, desto mehr Punkte. Eine Art Rassismus-Bingo. Überschrieben ist das ganze mit „These N*** have lost us the Euro“.

Ein „Commercial Real Estate Manager“ wird wohl morgen seinen Job verlieren, weil er unter Klarnamen und Nennung seines Arbeitgebers im Profil die Worte „N*** ruined it for us“ veröffentlicht hat. Der Tweet wurde mittlerweile gelöscht. Ein Screenshot ist aber mittlerweile öffentlich an den Arbeitgeber unterwegs.

Schwarze Frauen erzählen unter Tränen wie sie nach dem Elfmeterschießen aus einem Pub hinausgeworfen wurden und wie man ihnen das N-Wort hinterherrief.

Eine BBC-Moderatorin ist angesichts dieses entfesselten Rassismus fassungslos und macht darauf aufmerksam, aus welchen Gründen eigentlich die gesamte englische Mannschaft vor den Spielen niederkniet.

Das Niederknien, die Bekenntnisse, alles ist vergessen, alles ist egal. Dass es auch die schwarzen Spieler waren, die die englische Fußball-Mannschaft ins Finale befördert haben, egal. Dass es der schwarze Marcus Rashford ist, der sich leidenschaftlich gegen Kinderarmut in England einsetzt und Schulspeisungen organisiert, damit arme Kinder nicht hungern müssen, egal.

Es ist alles egal. An diesem Abend, in dieser Nacht sind die Schwarzen Schuld. Und sie sollen bezahlen, nötigenfalls mit ihrem Leben. Im Jahr 2021. Mitten in Europa. Wegen eines verlorenen Fußballspiels. Man kann es nicht glauben, man will es nicht glauben.

Der Firnis der Zivilisation ist dünn. An manchen Tagen ist er sogar durchsichtig und erlaubt einen Blick in die Unterwelt.