Erinnert Ihr Euch noch wie sich vor einem Jahr Friedrich Merz, Paul Ziemiak, Julian Reichelt, Dieter Nuhr und viele andere an der minderjährigen Greta Thunberg abgearbeitet haben? Weil sie nichts anderes gesagt hat als „Hört auf die Wissenschaft“ und „Nehmt die Klimakrise ernst“?

Erinnert Ihr Euch noch wie die Facebook-Gruppe „Fridays for Hubraum“ mit 400.000 (!) Mitgliedern nach wenigen Tagen deaktiviert werden musste, weil die Morddrohungen und Vergewaltigungswünsche gegen Thunberg nicht mehr zu kontrollieren waren? (1)

Erinnert Ihr Euch noch wie die BILD als Teil einer gigantischen ekelhaften Kampagne versuchte, das prominenteste Gesicht der Freiheitsbewegung in Hongkong, Joshua Wong, gegen Greta Thunberg auszuspielen? (2)

Haben wir ernsthaft geglaubt, dass dieselben Leute nun sachlich und fair mit einer grünen Kanzlerkandidatin umgehen würden? Dass Axel-Springer-Medien, CDU, AfD und Lobbyorganisationen nicht alles tun würden, um eine liberale, menschenfreundliche & nachhaltige Politik zu verhindern?

Die CDU beispielsweise hat keine Inhalte, hat keine Expertise, hat kein vertrauenswürdiges Spitzenpersonal, hat keine glaubwürdige Historie im Umgang mit Geld und am gravierendsten: die CDU hat schlicht keinen Wertekompass. Erst recht keinen christlichen.

Das Wahlprogramm der CDU ist ein derartiger Witz, dass sich selbst Armin Laschet dafür schämt. Unter Expertise und Erkenntnisgewinn versteht diese Partei ausschließlich die Versorgung von Lobbyorganisationen und Parteispendern mit Abendessen, Aufträgen und Posten.

Die CDU ist beinahe alleinverantwortlich für die fehlende Digitalisierung im Land (Stichwort „Korruption“), (3) die katastrophale Pandemiepolitik (Stichwort „Korruption“) (4) und den fehlenden Klimaschutz (Stichwort „Korruption“). (5)

Was macht eine solche Partei, was machen „liberale“ Chefredakteure nun, wenn selbst das Bundesverfassungsgericht die Schnauze gestrichen voll hat und den Klimaschutz als wesentliches Element menschlicher Freiheit definiert, um den sich die Politik verdammt noch mal zu kümmern habe? Genau: Nichts. Wie auch? Es mangelt schließlich an allem: am Willen, am Wissen, an Werten.

Was hingegen in beinahe unendlicher Menge vorhanden ist: medialer Dreck und politischer Klärschlamm. Und natürlich lassen sich die hohen Herren nicht zweimal bitten. Wer bereits so tief gesunken ist, dass er sich mit schmutzigen Mitteln an einer Minderjährigen abarbeitet (weil diese den Schutz der Umwelt und die Achtung von Menschenrechten einfordert), warum sollte er sich beim politischen Gegner zurückhalten?

„Never argue with an idiot. They will drag you down to their level and beat you with experience.“ – Besser könnte man die Wahlkampfstrategie von CDU, INSM und BILD nicht beschreiben. Den Gegner so lange mit Dreck bewerfen bis dieser so aussieht wie man selbst. Da die CDU diese Form des Wahlkampfes länger praktiziert als alle anderen Parteien zusammen und das vorhandene Budget nicht für gute Politik oder kluge Wahlprogramme, sondern für „Dirty Campaigning“ ausgibt, gibt es für die Grünen auch keine Chance auf diesem Feld zu bestehen.

Die Grünen können diesen hirnlosen Angriffen nur mit fünf Punkten begegnen:

  1. Die Wahlkampfstrategie von Barack Obama kopieren und mit einer starken Vision, einer glaubwürdigen Erzählung, klugen Lösungen und einer hoffnungsvollen Zukunft in die Öffentlichkeit treten.
  2. Die eigene Erzählung auch an die Bedürfnisse konservativer Wählerschaften anpassen. Es geht hier schließlich um die Zukunft der Kinder, der Familien, der Landwirtschaft und der Schöpfung. Erneuerbare Energien sichern bereits heute hunderttausende Industriearbeitsplätze.
  3. Die Vorteile digitaler Kampagnenformate einsetzen und die Mobilisierungsmomente im vorpolitischen Raum nutzen. Warum werden Twitter, Facebook und Instagram ausschließlich mit rechter Axel-Springer-Anti-Baerbock-Werbung zugepflastert aber nicht mit zukunftsweisenden Erzählungen der Grünen?
  4. Die Angriffe auf Partei und Spitzenkandidatin abperlen lassen, deutlich souveräner auf berechtigte Kritik reagieren und die zahlreichen Kleinkriege vermeiden. Gewinnen lässt sich in diesen Scharmützeln nichts, verlieren aber viel.
  5. Mit sachlichen Mitteln und fachlicher Expertise die Union auseinandernehmen. Wenn die Grünen auf die Schwächen ihrer politischen Gegner abzielen würden, müssten sie nur ungezielt draufhauen. Egal wohin man schaut, es findet sich schließlich genügend Angriffsfläche.

Warum gerade Letzteres nicht passiert, bleibt wohl ein streng gehütetes Geheimnis der grünen Wahlkampfstrategen.

Um es mit der Sprache des Fußballs zu sagen: Die Grünen bekommen regelmäßig einen Elfmeter geschenkt, den sie allerdings aus Gründen des Fair Play absichtlich verschießen.

Die Gegner zukunftsweisender, gerechter und menschenfreundlicher Politik hingegen schrecken nicht vor illiberalen und menschenverachtenden Angriffen und Lügen zurück. Das haben sie noch nie.

Man sollte sie allerdings nicht länger gewähren lassen.


1) https://www.rnd.de/panorama/greta-hass-und-morddrohungen-fridays-for-hubraum-gruppe-ist-offline-6YOCQ5NSNFDVFFCYG5GEOOMAWU.html
2) https://bildblog.de/date/2019/09/14/
3) https://www.youtube.com/watch?v=WDNYS_4dkAc
4) https://www.fr.de/politik/cdu-csu-masken-skandal-maskenaffaere-tandler-hohlmeier-spahn-soeder-90527965.html
5) https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-03/cdu-lobbyismus-wirtschaftsrat-lobbycontrol-einflussnahme